Die Entdeckung der Nagli, des Techlökeli und des Lokdepots in Winterthur
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22. Februar
2002, 2.00 Uhr nachmittags- 22 Technikbegeisterte, Ehemalige samt Angehörige, sind zum
Bahnhof Winterthur-Grüze gepilgert, um an diesem kalten Freitag nachmittag die letzte Schweizer Nagelfabrik "Nagli" im Betrieb und das Lokdepot zu besichtigen. Da jeder Anwesende eine Flasche besten ETR-Weines
partout nicht haben will, darf ich den Bericht selber schreiben. Herr Kühn, ein kompetenter Führer von InBahn Ausflüge (Industrie und Bahnkultur) begleitet uns zur Nagelfabrik, die 1885 gegründet wurde, verschiedene
Besitzerwechsel erfuhr und über ein detailliertes Archiv verfügt. Obwohl Nägel mit der Zeit teilweise durch andere Befestigungsmethoden wie Bostich, Schrauben und Nieten abgelöst worden sind, finden sie immer noch
Verwendung beispielsweise für Paletten. Eine Besonderheit sind datierte Nägel, die für Bahnschwellen und Strommasten eingesetzt werden. Nach der kurzen Einführung führt uns Herr Werner Senn, seit 27 Jahren in der
Nagli tätig und der seit 2 Jahren pensioniert wäre, durch die Nagli. Die fünf Nagelprägmaschinen, deren zwei betriebsfähig sind, erwecken unsere Faszination. Ein zentraler Motor von 38 PS Leistung treibt über ein
Transmissionsriemen eine lange Welle an, von die die Prägmaschinen ihre Energie wiederum über ein Riemen beziehen- das alles über unsere Köpfe. Jede Prägmaschine verfügt über zwei Hammer, die abwechslungsweise mit
schwerem Getöse auf jeden Nagel hinabdonnern. Weiter sind die Maschinen zu sehen, die aus einer grossen Drahtrolle mit hohem Tempo und lautem Krachen unaufhörlich abertausende von Nägel schneiden und stanzen. Als
Andenken kann jeder ein überdimensionaler Nagel mitnehmen und sich ins Gästebuch verewigen. Die nächste Etappe ist eine besonders interessante Überraschung- das RhB-Lökeli unter freiem Himmel bei der Hochschule
Winterthur, ein Geschenk unserer Ehemaligenkollegen von Winterthur zum hundertjährigen Jubiläum des Technikums 1974. Die Lok 205 verfügt über zwei Laufachsen und zwei Antriebsräder, die über ein schönes Gestänge von
einem einzigen Grossmotor angetrieben werden. Die Tafel auf der Lok verrät uns Alter und Schöpfer der ehrwürdigen Dame- Jahrgang 1913, BBC (elektrischer Teil) und SLM (mechanischer Teil). Betreuer und Lokführer ist Herr
Ernst Schneider- ja richtig, unser ehemaliger Dozent für Hochspannung! Herr Schneider bringt die Lok zum Laufen, die aber Dank den Gegenrollen, auf denen sich die Antriebsräder stützen, an Ort und Stelle bleibt. Jeder
kann die Lokomotive besteigen und mit Herrn Schneider fachsimpeln. Eine weitere Kuriosität ist das historische Signal bei der Lok- es handelt sich um eine aufziehbare Vorrichtung, die sich mit Schwachstrom fernsteuern
lässt und so zwischen den Anzeigen Fahrt und Halt 200 Mal wechseln kann- danach muss es ein Bahnwärter wieder aufziehen. Weiter geht es zu Fuss zum Lokdepot Winterthur (LoWin), der nördlich vom Hauptbahnhof zahlreiche
historische Lokomotiven von Privaten und anderen Vereinen eine Heimat bietet. Die Lokomotiven dämmern leider unrestauriert vor sich hin und sind von einem betriebsfähigen oder ausstellungswürdigen Zustand weit entfernt.
Die Ausfahrtsweichen wurden sogar von der SBB ausgebaut sodass die Lokomotiven vom Bahnnetz abgetrennt sind. Herr Kühn ist selbst vom LoWin nicht begeistert- er bezeichnet das LoWin als "eher eine
Schrottausstellung" und bedauert die "Phantasten" und die groben Fehler des LoWin -bestelltes teueres Schienenmaterial, der aufgrund von Fehlplanung nicht gebraucht werden kann und nun vor sich hinrostet.
Immerhin beherbergt das LoWin wichtige Zeugen Schweizerischer Bahngeschichte. So die Ae 6/8 der BLS, Herrn Kühns Lieblingslok, die 1939 von Sécheron als Konkurrenz zur Landilok Ae 8/14 auf die Räder gestellt wurde,
damals die stärksten Lokomotiven weltweit. Es sind Lokomotiven der damaligen Lokhersteller mit den typischen Antriebsarten zu finden- Sécheron mit dem Westinghouseantrieb, BBC mit dem Buchliantrieb, MFO mit dem
Stangenantrieb. Herr Kühn weiss auch von verschiedenen Anekdoten zu
erzählen- so die Lok, die zuletzt als Heizlok diente, die
"Steckdosenlokomotive", eine Rangierlok Ee 2/2, deren Akkus
mit 250V aufladbar
waren und nun aber über einen eigenen Stromabnehmer verfügt oder vom
Bekohlungskran, der nach Ende des Dampfbetriebes als Kran für
Stromabnehmer Verwendung fand. Wir danken die Herren Max Kühn, Ernst
Schneider und Werner Senn für die interessante Führung und hoffen
dass ihnen unser
Räuschling bestens schmeckt. Trotz Wind, Kälte und Schnee haben alle
Führung gut überstanden- auch Andreas Blumenstrauss.
Bernardo Valsangiacomo, E94
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