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Grimselstrom und Furkadampf – ETR Ausflug 24./25. August 2002


Ein herzliches Dankeschön geht an Felix Tobler (Mitte, E85) und an seinem Sohn Florin (rechts, M18?) für den nachstehenden Bericht.

Bilder von "Grimselstrom & Furkadampf" (öffnet neues Fenster)

Gleich unter der Staumauer des auf 1767 Meter gelegenen Räterichsbodensees ist unser Treffpunkt um 10:30 Uhr. Insgesamt 23 Personen, darunter 5 Kinder, warten gespannt auf das, was uns in den nächsten beiden Tagen erwartet. Von dort aus führt uns Herr Künzler von der Kraftwerk Hasli AG - kurz KWO - durch die mächtigen Anlagen auf dem Grimsel. Als erstes stapfen wir die paar Meter durch das Wiesengelände hoch, bis zu der schräg geneigten Betonwand zu einem eisernen Tor, die uns ins Innere der insgesamt 100 Meter hohen Schwergewichtsmauer führt. An der Basis ist die aus Beton und ohne Armierungseisen erstellte Mauer 77 Meter dick und an der Krone sind es  immerhin noch 4.5 Meter. Dass dieses imposante Bauwerk nicht nur aus einem Stück besteht, machte uns die Führung und die ausführlichen Erklärungen von Herr Künzler sehr deutlich. Die Mauer bewegt sich abhängig vom Füllstand des Sees bis zu 2cm. Eine zusätzliche Bewegung ist von der Jahreszeit abhängig. Es wird daher klar, dass Widerlager und Dilletatnationsfugen bei der Konstruktion einer solchen Mauer ein Muss sind. Während wir durch enge Gänge in Längsrichtung marschieren, tun sich in gleichen Abständen vertikale Schluchten auf, die wir in schwindeleregender Höhe auf kleinen Brücken überqueren. Überall verlaufen Leitungen für Messsonden. Drähte die über die gesamte Höhe gespannt sind, messen auf 0.1mm genau die Bewegung. Weiterhin wird die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, der Wasserdruck des Berges und geodätische Daten laufend gemessen. Diese werden in Innertkirchen ausgewertet. Auch wenn eine Gefahr der gespeicherten 27 Mio. Kubikmeter Wasser vorhanden ist, es wird uns versichert, dass es kein besser überwachtes Bauwerk gibt.

Konstruktionszeichnung einer Maschine von Florin Tobler (9 Jahre)

Welche Komplexität all die Stollen, Zufahrts- und Versorgungsgänge des Grimsel-Stroms aufweisen, wird uns erst bewusst, als wir mit dem Bus durch den 2641m langen Zufahrtsstollen bis zur Kraftwerkszentrale fahren und uns unser Führer anhand von mehreren Karten die Situation erklärt. Im riesigen hell beleuchteten Raum ist es von den vier Kraftwerks-Maschinen, die momentan nicht laufen, angenehm warm. Hier wird nur Spitzenstrom produziert oder mit überschüssiger Bandenergie die Maschinen als Pumpen betrieben, damit Wasser im 1500 Meter höher gelegenen  Oberaarstausee als Energie gespeichert werden kann. Eine Maschine kann dabei entweder mit 25 m3 Wasser pro Sekunde 80 Megawatt produzieren oder mit 90 Megawatt 20 m3/s pumpen. Rechnet man nach, so ergibt sich ein Wirkungsgrad von ca. 75% für gespeicherte Energie. Die Transformation der Spannung zwischen den Maschinen von 13.5kV aufs Netz mit 220kV wird mit einem 124 Tonnen schweren Trafo bewerkstelligt.

Auf dem Rückweg halten wir mitten im Tunnel an. Als die Bauarbeiter 1972 diesen Stollen gruben, stiessen sie auf einen kleinen Hohlraum, in dem sich in all den Millionen von Jahren einer der prächtigsten Schätze unserer Alpen entwickeln konnten: Bergkristalle. Manche von uns haben schon viele Kristalle gesehen, aber diese Kluft mit ihren Schätzen inmitten des Felsens ist etwas vom Schönsten was wir in unserer Natur haben.

Nach dem Mittagessen im Grimsel Hospitz fahren wir mit der Luftseilbahn über den Grimselstausee zum Kessiturm. Wie weitläufig das Ganze ist, wird uns spätestens jetzt klar. Ist doch das ganze System im Felsen miteinander verbunden! Hier beim Wasserschloss zeigen uns sehr deutlich die immensen Ausmasse von dem, was wir als Wasserhahn und Expansionsgefäss kennen. Durch einen 125 Meter hohen Schacht geht’s per Lift 30 Meter höher als der obere Wasserpegel des Stausees. Von hier oben können wir in einen riesigen Silo auf die Wasseroberfläche blicken, unter der sich das Stollensystem mit den Druckleitungen bis zu den Turbinen befindet.

Nach der Rückfahrt, bei der uns noch einiges über KWO-Plus, dem Erweiterungsprojekt, erzählt wird, verabschieden wir uns von Herr Künzler und machen uns auf den Weg über den Grimselpass via Gletsch zum Hotel Belvédère. Nach dem Zimmerbezug haben wir noch Gelegenheit im letzten strahlenden Sonnenlicht die Eisgrotte im Rhônegletscher zu besichtigen. Bei einem gemeinsamen Nachtessen und freundschaftlichem Beisammensein bei einem Glas Wein geniessen wir den Abschluss des ersten Tages.

Das Erwachen am andern Morgen auf 2274 Meter Höhe neben dem rauschenden Gletscherbach ist etwas Einzigartiges. Nach einem ergiebigen Frühstück und kurzem Morgenluftschnappen machen wir uns auf den Weg über den noch knapp 200m höher gelegenen Furkapass auf die Urnerseite nach Realp. Kaum angekommen besteigen wir unser vorreserviertes Zugsteil. Pünktlich um 10:15 geht es mit schnaubenden Bewegungen bergauf. Die Aussicht aus dem nostalgischen Zug mit den vier Wagons und der ziehenden Dampflok mit ihrem Zahnradantrieb ist atemberaubend. Wir fahren über ein paar Brücken, durch zwei, drei kleinere Tunnels; sind die Fenster auch wirklich dicht? Dann wechseln wir die Talseite. Nach einem Halt zum Wasserfassen in Tiefenbach geht es mit 11% Steigung weiter bis zur Kreuzungsstelle Furka. Hier vor dem grossen Tunnel auf 2163 m.ü.M. erwartet uns ein zwanzig minütiger Aufenthalt mit Festwirtschaft. Bei Heizerkaffee und Nussstange oder Bratwurst können sich alle verpflegen. Das mit Dampf erzeugte Signal zur Abfahrt lässt uns alle wieder freudig einsteigen. Dann wird’s dunkel. Der Zug verschwindet im 1874 Meter langen Scheiteltunnel und erscheint anschliessend am Westportal auf der Walliser Seite. Von hier geht’s mit Gefälle durch eine einzigartige Naturlandschaft mit Blick auf den Rhônegletscher und auf das Hotel Belvédère. Nach 100 Minuten erlebnisreicher Fahrt erreichen wir Gletsch. Wir verpflegen uns hier individuell, begehen den Lehrpfad Richtung Rhône oder geniessen das angenehme Wetter und die bezaubernde Natur.

Um fünf vor zwei wird wieder Dampf gemacht. Auf der gleichen Strecke mit dem gleichen Zug zieht uns die im Jahre 1914 erbaute Lok HG ¾ zurück. 1947 wurde sie nach Vietnam verkauft und 1990 rückgeholt. Auf der ganzen Strecke gibt’s nochmals drei Halte: vor dem Tunnel, auf der Urnerseite, für alle die noch Heizerkaffee mögen und wiederum in Tiefenbach, damit abermals 2500 Liter Wasser nachgefasst werden können. Mit  merklich erhöhter Geschwindigkeit auf dem unteren Teilstück fahren wir anschliessend in Realp ein. Hier nehmen wir Abschied voneinander. Die einen, meist jüngeren Teilnehmer, sind schon fast ein bisschen müde, aber man sieht es allen an: Das hat richtig Spass gemacht! 

Felix Tobler E85