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GV 2007, Bericht und Fotos

Im Bergwerk Käpfnach

Fotos von Bernardo Valsangiacomo (E94) und Karl Gutzwiller (DOZ) (in neuen Fenstern)

Bernardo Valsangiacomo, E94


Im Rahmen der Generalversammlung 2007 besucht der ETR das historische Bergwerk in Horgen - eine abenteuerliche Reise durch Geschichte und Stollen.

28 Vereinsmitglieder und Angehörige haben sich für die Führung durchs Bergwerk Käpfnach an diesem sonnigen 17. Novem-ber angemeldet. Die relativ hohe Zahl der Besucher macht zwei Führungsgruppen notwendig. Der Bergwerkverein Käpfnach pflegt seit 25 Jahren ein wichtiges Stück Geschichte. Im attraktiv und aufschlussreich gestalteten Museum im ehemaligen "Kohlenmagazin" beginnt Herr Höhn mit der Führung.

Das Bergwerk blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon 1548 wurde der Bodenschatz nachweislich erwähnt. Anfang und Mitte des 18. Jahrhunderts wurde während einiger Jahren Kohle abgebaut. Erst 1784 beginnt die lange Periode des staatlichen Abbaus, der bis 1910 dauert. Eine Grafik zeigt viele starke Schwankungen der jähr-lich abgebauten Mengen. Von 1850 bis 1874 verzehnfachten sie sich sogar und erreichten die Bestmarke. Danach folgte jedoch ein noch steilerer Fall.

Während und noch wenige Jahre nach den Weltkriegen hatte man den Betrieb wieder zum Leben erweckt. Inhaber der dazu not-wendigen Konzession war ausser im ersten Jahr 1917 Bergbauingenieur Max Zschokke. Zschokke setzte übrigens den Bau der Jungfraubahn anstelle seines erkrankten Onkels fort. Da in diesen Zeiten die hochwertige Steinkohle aus dem Ausland ausblieb, war das Land auf die Horgener Braunkohle angewiesen, die jedoch einen niederen Brennwert aufwies.

Die Karte im Museum gibt eine Ahnung vom dichten und weiten Stollennetz, der in den verschiedenen Abbauperioden wuchs. Ein grosser Teil des Stollennetzes entstand in der verhältnismässig kurzen Zeit von 1941 bis 1947.

Wie es in der letzten Abbauperiode aussah, bezeugt ein Film aus dieser Zeit eindrücklich. Die Arbeiter mussten die Kohleschichten liegend abtragen und trugen bloss Filzhüte - aus heutiger Sicht undenkbar. Zu schaffen machten aber auch die Abgase der Diesel-lokomotiven in den engen Stollen. Trotz des technischen Fortschritts blieb die Arbeit hart und gesundheitsschädlich.

Der Bergwerkverein hatte es nicht einfach, die Stollen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es mussten grosse Mengen an Schutt ausgeschafft werden. Die Schienen von damals waren längst liquidiert. Auch das Rollmaterial musste erst angeschafft wer-den. Dafür geniesst heute der interessierte Besucher eine 1400 Meter lange Bahnfahrt durch den zum Teil sehr engen Stollen. Wehe dem, der Kopf, Arme und Beine nicht einzieht!

An verschiedenen Stellen hält der Führer an und erläutert die Geologie und die Arbeitsbedingungen. Ausgestellte Puppen, Lampen, Wagen und Werkzeuge geben vor Ort eine Ahnung vom beschwerlichen und gefährlichen Leben der "Häuer". So waren in der Zeit des Zweiten Weltkrieges drei tödliche, jedoch 500 zum teil schwere Unfälle zu beklagen. Im Berg herrscht eine konstante Temperatur von 13°C - angenehm an diesem kalten Novembertag.

Nicht weit vom unscheinbaren Tor, durch den wir den Stollen betreten haben, kommt unser Zug ins Freie. Ein "Glück auf" schmückt diesen Zugang. Hier geht auch unsere Führung zu Ende. Unser Applaus honoriert Herr Höhn, der uns in den letzten zwei Stunden fachkundig begleitet hat.

Schon lange stand der Besuch des Bergwerk Käpfnach auf der Liste des ETR - nun sind wir im Genuss einer informativen und spannenden Führung über ein wenig bekanntes Stück Schweizer Geschichte gekommen. Dafür und für die gute Organisation des gesamten GV-Anlasses danken wir dem ETR-Vorstand.