Das ETR hat das Industrieensemble Neuthal zwischen Bäretswil und Bauma besucht- ein einmaliger Zeuge der Industrialisierung im 19.Jahrhundert. Am Morgen kamen die Ehemaligen und ihre Angehörige im Genuss einer Führung duch die Museums-Spinnerei, am Nachmittag stand die Besichtigung des restlichen Ensemble auf dem Programm.
Von Philipp Friberg, I01
Bilder von Bernhard Weber, M94
Es ist der 10. Mai, kurz nach 9 Uhr. Die ersten Ehemaligen des Technikums Rapperswil treffen mit ihren Familien ein. Wir stehen am Bahnhof Neuthal, an der Strecke Bauma - Hinwil. Ein paar erzählen von dem Ausflug mit der Dampfbahn und die Kinder geniessen es, auf dem Gleis spielen zu dürfen. Auch Bernardo stösst zu uns. Schnell sucht er sich ein Opfer aus, das den Bericht zum heutigen Tag schreibt - und gefunden, also schnell den Wein abladen, etwas weniger zu schleppen... Das Opfer empfängt den Wein freudig und überlegt sich schon mal, wann er die erste Flasche öffnen soll!
Nun stossen Hansruedi Alt und Ernst Grether zu uns, die uns durch die Spinnerei führen werden. Wir bilden zwei Gruppen, wobei ich zur Zweiten gehöre. Deshalb betrachten wir zuerst ein wenig die Umgebung, wo wir einen kurzen Überblick über das Industriegelände erhalten. Wir befinden uns irgendwo in einem Tal, rundum nur Wald oder Felder, herzige "Stau-Tümpel", ein paar Häuser mit der alten Spinnerei und mein Natelanbieter kriegt nicht einmal überall Empfang hin. Wie es sich herausstellt, werden wir dann am Nachmittag eine detailreichere Führung geniessen dürfen.
Endlich in der Spinnerei angekommen, erfahren wir einiges über Baumwolle und deren Herkunft. Alle warten geduldig, bis wir endlich vom ersten Prozess, das Säubern der Baumwolle, die Maschinen in Betrieb nehmen dürfen. Trotz des Lärms hält auch unsere kleinste Teilnehmerin tapfer durch. Wir erfahren, dass die Maschinen nicht von dieser Spinnerei selbst seien, sondern von überall her eingesammelt wurden. Schnell merken wir auch, dass unser Führer ein pensionierter Rieter Maschinen Angestellter ist - und entsprechend viel hat er über die früheren Zeiten zu erzählen, z.B. dass die Maschinen nicht verkauft sondern verteilt wurden, so gross war die Nachfrage.
Unsere Führung geht weiter zum nächsten Produktionsschritt, wo die Maschinen wiederum in Betrieb genommen werden. Für die, die langsam wieder einmal absitzen möchten, kommt jetzt die Erlösung: Einen Film zeigt uns eindrücklich der ganze Verarbeitungs-Prozess. So, da nun die Zeit fortgeschritten ist, müssen wir uns bei den nächsten Maschinen beeilen... Trotzdem hat es uns gefallen und es war eindrücklich, alte Seiltransmissions-Maschinen in Betrieb zu sehen.
Nun heisst es schnell essen zu gehen, die Magen knurren immmer lauter. Wir verteilen uns auf die Autos und fahren zum Restaurant. Die erste Gruppe wartet sicher ungeduldig - und prompt, Bernardo ist erleichtert, dass wir angekommen sind und wir sind verunsichert, da wir nicht zum Restaurant geführt werden, sondern in so ein kleines Häuschen nebenan. Anscheinend sei jemand mit viel Bekannten gestorben... Das Haus war nett eingerichtet, viel Glas und im Keller eine Bar. Eine Hochzeit-Suite kann es jedoch nicht sein, wie ein paar Kolleginnen festgestellt haben: Der Zug fährt direkt vor dem Haus durch - und das sind keine leise S-Bahnen... So sind wir für uns und die Qualität hat nicht ersichtlich nachgelassen, also sind alle zufrieden beim Speisen.
Schnell gehts wieder zurück, Jörg Albrecht und Walter Sprenger warten auf uns. Wir bilden wieder zwei Gruppen. Auf der Brücke wird uns die Entwicklung des Gebietes um 1800 erklärt - didaktisch einwandfrei, wie es für einen pensionierten Lehrer gehört... Unser Führer konnte sogar eine Bewilligung kriegen, den Rittersaal der Fabrikantenfamilie zu besichtigen. Das Haus gehört einer Einrichtung, die ehemalige Drogenabhängige wieder in die Gesellschaft eingliedern möchte. Nebst sehr vielen und interessanten sozialen Informationen, z.B. dass die einzige Uhr von der Familie verstellt werden konnte, ist die Inbetriebnahme der Wasserkraftanlage sicherlich der Höhepunkt. Pünktlich um fünf werden unsere Führer mit einem riesigen Applaus verdankt.
Bernardo, vielen danke für das Organisieren. Es hat uns gefallen! Wir freuen uns auf den nächsten Anlass.