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Seilspleiss zweite Sektion Tambo Bergbahnen Splügen


Demonstration einer Seilspleissung vom 2. Juli 2008

Text: Bernhard Weber
Bilder: Philipp Friberg, Bernardo Valsangiacomo

Am frühen Morgen des 2. Juli treffen sich 4 ETR-Seilbahninteressierte am Bahnhof Pfäffikon zur gemeinsamen Fahrt in die Bündner Berge. Das Wetter ist gut, die Wetteraussichten nicht schlecht, ein wenig soll es in den Alpen Regnen können. Wir hoffen, dass es nicht gerade Splügen treffen möge mit den paar Tropfen.

Die Fahrt von 400 m.ü.M. auf 1760 m.ü.M. zur Mittelstation Blaktenboden der Bergbahnen Tambo Splügen geht mit einem Zwischenhalt im neuen Autobahnrestaurant am Walensee sehr gut voran. Einzig der steile Aufstieg weg von der Splügenpassstrasse zur Mittelstation, ein Waldweg, macht Bernhards VW-Polo etwas zu schaffen, aber es geht.

Noch bei der Herfahrt erfahren wir, dass die Arbeiten etwas umdisponiert worden sind. Nicht wie vorgängig besprochen wird der Spleiss an der unteren Sektion durchgeführt, sondern an der oberen.

Das Seil liegt schon bereit, das heisst, es ist eigentlich schon fast durchgängig auf den Masten auf Rollen montiert, nur im Bereich von drei Masten liegt es noch mit den beiden Enden am Boden, oben und unten zusammengezogen durch einen Flaschenzug. Die Spannrolle an der Bergstation steht, wie uns gesagt wurde, am talseitigen Anschlag.

Bei unserer Ankunft beginnen denn die weiteren Arbeiten sofort. Der Spleisser von Fazer kontrolliert noch einmal die Seilenden. Auf Grund eines Defekts der Seele entscheidet er, dass die Trennstelle der Seele nicht genau in der Mitte der Spleissstelle zu liegen kommt, sondern eher gegen die Bergseite. Dann berechnet er noch schnell, wie lange denn die Spleissung sein muss, 1300 mal den Seildurchmesser, macht bei einem Durchmesser von 42 mm knapp 55 m. Die Überlappungen werden mit Filzer an den Seilen markiert, und dann mit der Trennscheibe zurechtgeschnitten. Jetzt sehen wir erstmals den richtigen Querschnitt. Es ist ein Stahlseil mit rechtsgängiger Wicklung, die Seele aus PA und sechs Litzen, ebenfalls mit rechtsgängiger Wicklung aus 25 Drähten.

Jetzt geht's richtig los. Wir dürfen sogar selber mit anpacken, wenn von beiden Enden je drei Litzen abgewickelt und abgeschnitten werden. Dann werden die Seelen auf die Endlänge gekürzt und stumpf aufeinander gepasst. Verbunden wird das ganze erst einmal mit allen Litzen mit je einer Umdrehung. Fixiert mit einer Klemme beginnt jetzt das umwickeln der Seilenden mit einzelnen Litzen des anderen Endes. Sechs mal wiederholt sich der Vorgang, je zwei Mal bis ans Ende, zwei Mal zweidrittel Länge, zweimal ein drittel Länge, alle diese Eckpunkte wurden vorher laufend mit dem Filzer markiert.

Die nun überstehenden Litzen werden auf ca. 4 bis 5 m gekürzt, geradegerichtet und mit einer Kunststoffummantelung versehen. Das Seil sieht nun mit den 12 abstehenden ummantelten Litzen etwas lustig aus. Doch schon bald geht es daran, die Seele durch die jeweils überstehenden Litzen zu ersetzen. Dazu wird das Seil etwas aufgedreht. Mit grossen dolchähnlichen Spleissnadeln werden die eng aneinander liegenden Litzen auseinandergedrückt, die Kunststoffseele herausgezogen und soweit zurückgeschnitten, wie die überstehende Drahtlitze Platz braucht. An sechs Orten im Seil werden so jeweils zwei Litzen ins Zentrum eingelegt, der wohl schweisstreibendste Abschnitt des Spleissens.

Was wir dann auf Grund der fortgeschrittenen Stunde nicht mehr sehen: Danach ist das Seil fertig, der Flaschenzug wird entfernt und das Seil auf den drei Stützen im Bereich der Spleissung auf die Rollen gelegt. Nun ist die Umlaufgondelbahn wieder für den Betrieb bereit.

Eine Spleissung mit einem Seil dieser Grösse, Kunststoffkern und 6 Litzen, dauert etwa einen Arbeitstag. So gab es denn für alle über Mittag in der Mittelstation Blaktenboden einen Grill. Die Spleissmannschaft und auch wir konnten uns gut und grosszügig verpflegen.

Nach einem interessanten und auch wettermässig schönen Tag überreichen wir am späteren Nachmittag dem Team eine wohl verdiente Stärkung in Form von ETR-Wein. Danach begeben wir uns auf den Heimweg. Unterwegs gönnen wir uns noch einmal einen kleinen Imbiss im neuen Autobahnrestaurant in Thusis. Pünktlich auf weitergehende Züge kehren wir dann nach Pfäffikon zurück.

Auf der Fahrt wurde noch einmal über die Technik der Seilverbindung gefachsimpelt. Einige von uns waren der Meinung, dass die Enden einfach verschweisst werden!

Die Verbindung beruht lediglich auf Reibung, was eine so grosse Verbindungslänge notwendig macht. Allein durch die Wicklung wird die Verbindung erhalten. Diese Wicklung aber zieht sich bei Zugbelastung des Seils noch zusammen und erhöht so die Reibungskraft noch einmal. Eine absolut stabile und fast unsichtbare Verbindung entsteht. Nur gerade an den Knoten, dort wo zwei Litzen sich kreuzen wenn sie in die Seele eindringen, ist der Durchmesser maximal 10% grösser, in unserem Fall also maximal 46 mm.

Mit diesen neuen Erkenntnissen geht ein interessanter lehrreicher Tag des ETR zu Ende.