Text: Bernhard Weber
Bilder: Philipp Friberg,
Bernardo Valsangiacomo
Am frühen Morgen des 2. Juli treffen
sich 4 ETR-Seilbahninteressierte am Bahnhof Pfäffikon zur gemeinsamen Fahrt in die Bündner Berge. Das Wetter ist gut, die
Wetteraussichten nicht schlecht, ein wenig soll es in den Alpen Regnen können. Wir hoffen, dass es nicht gerade Splügen treffen
möge mit den paar Tropfen.
Die Fahrt von 400 m.ü.M. auf 1760 m.ü.M.
zur Mittelstation Blaktenboden der Bergbahnen Tambo Splügen geht mit einem Zwischenhalt im neuen Autobahnrestaurant am Walensee sehr
gut voran. Einzig der steile Aufstieg weg von der Splügenpassstrasse zur Mittelstation, ein Waldweg, macht Bernhards VW-Polo etwas
zu schaffen, aber es geht.
Noch bei der Herfahrt erfahren wir,
dass die Arbeiten etwas umdisponiert worden sind. Nicht wie vorgängig besprochen wird der Spleiss an der unteren Sektion durchgeführt,
sondern an der oberen.
Das Seil liegt schon bereit, das heisst,
es ist eigentlich schon fast durchgängig auf den Masten auf Rollen montiert, nur im Bereich von drei Masten liegt es noch mit den
beiden Enden am Boden, oben und unten zusammengezogen durch einen Flaschenzug. Die Spannrolle an der Bergstation steht, wie uns gesagt
wurde, am talseitigen Anschlag.
Bei unserer Ankunft beginnen denn die
weiteren Arbeiten sofort. Der Spleisser von Fazer kontrolliert noch einmal die Seilenden. Auf Grund eines Defekts der Seele entscheidet
er, dass die Trennstelle der Seele nicht genau in der Mitte der Spleissstelle zu liegen kommt, sondern eher gegen die Bergseite.
Dann berechnet er noch schnell, wie lange denn die Spleissung sein muss, 1300 mal den Seildurchmesser, macht bei einem Durchmesser von
42 mm knapp 55 m. Die Überlappungen werden mit Filzer an den Seilen markiert, und dann mit der Trennscheibe zurechtgeschnitten. Jetzt
sehen wir erstmals den richtigen Querschnitt. Es ist ein Stahlseil mit rechtsgängiger Wicklung, die Seele aus PA und sechs Litzen,
ebenfalls mit rechtsgängiger Wicklung aus 25 Drähten.
Jetzt geht's richtig los. Wir dürfen
sogar selber mit anpacken, wenn von beiden Enden je drei Litzen abgewickelt und abgeschnitten werden. Dann werden die Seelen auf die
Endlänge gekürzt und stumpf aufeinander gepasst. Verbunden wird das ganze erst einmal mit allen Litzen mit je einer Umdrehung. Fixiert
mit einer Klemme beginnt jetzt das umwickeln der Seilenden mit einzelnen Litzen des anderen Endes. Sechs mal wiederholt sich der Vorgang,
je zwei Mal bis ans Ende, zwei Mal zweidrittel Länge, zweimal ein drittel Länge, alle diese Eckpunkte wurden vorher laufend mit dem
Filzer markiert.
Die nun überstehenden Litzen werden auf ca.
4 bis 5 m gekürzt, geradegerichtet und mit einer Kunststoffummantelung versehen. Das Seil sieht nun mit den 12 abstehenden ummantelten
Litzen etwas lustig aus. Doch schon bald geht es daran, die Seele durch die jeweils überstehenden Litzen zu ersetzen. Dazu wird das Seil
etwas aufgedreht. Mit grossen dolchähnlichen Spleissnadeln werden die eng aneinander liegenden Litzen auseinandergedrückt, die
Kunststoffseele herausgezogen und soweit zurückgeschnitten, wie die überstehende Drahtlitze Platz braucht. An sechs Orten im Seil werden
so jeweils zwei Litzen ins Zentrum eingelegt, der wohl schweisstreibendste Abschnitt des Spleissens.
Was wir dann auf Grund der fortgeschrittenen
Stunde nicht mehr sehen: Danach ist das Seil fertig, der Flaschenzug wird entfernt und das Seil auf den drei Stützen im Bereich der
Spleissung auf die Rollen gelegt. Nun ist die Umlaufgondelbahn wieder für den Betrieb bereit.
Eine Spleissung mit einem Seil dieser Grösse,
Kunststoffkern und 6 Litzen, dauert etwa einen Arbeitstag. So gab es denn für alle über Mittag in der Mittelstation Blaktenboden einen
Grill. Die Spleissmannschaft und auch wir konnten uns gut und grosszügig verpflegen.
Nach einem interessanten und auch wettermässig
schönen Tag überreichen wir am späteren Nachmittag dem Team eine wohl verdiente Stärkung in Form von ETR-Wein. Danach begeben wir uns auf
den Heimweg. Unterwegs gönnen wir uns noch einmal einen kleinen Imbiss im neuen Autobahnrestaurant in Thusis. Pünktlich auf weitergehende
Züge kehren wir dann nach Pfäffikon zurück.
Auf der Fahrt wurde noch einmal über die Technik
der Seilverbindung gefachsimpelt. Einige von uns waren der Meinung, dass die Enden einfach verschweisst werden!
Die Verbindung beruht lediglich auf Reibung,
was eine so grosse Verbindungslänge notwendig macht. Allein durch die Wicklung wird die Verbindung erhalten. Diese Wicklung aber zieht
sich bei Zugbelastung des Seils noch zusammen und erhöht so die Reibungskraft noch einmal. Eine absolut stabile und fast unsichtbare
Verbindung entsteht. Nur gerade an den Knoten, dort wo zwei Litzen sich kreuzen wenn sie in die Seele eindringen, ist der Durchmesser
maximal 10% grösser, in unserem Fall also maximal 46 mm.
Mit diesen neuen Erkenntnissen geht ein
interessanter lehrreicher Tag des ETR zu Ende.