Diaschau
(neues Fenster)
Von Michael Beglinger,
E81
Nationales Lawinenbulletin Nr. 109 vom Freitag, 10. März
2006, 17:00h: Gefährliche Lawinensituation abseits der Pisten.
Im Winter gibt das
Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF,
Davos, täglich ein Lawinenbulletin heraus. Braucht es 150
Mitarbeiter um täglich ein Bulletin von einer A4-Seite
herauszugeben? Wir, fünf etr-Leute, wollten es genau wissen. Bei
dichtem Schneetreiben fuhren wir mit dem Zug am Freitagmorgen nach
Davos. Meterhohe Schneemauern säumten unser Weg vom Bahnhof zum
Hauptsitz des SLF. Emsig räumten Pfluge und Schneeschleudern den
Schnee von der Strasse, der in der vergangen Nacht gefallen war.
Im SLF empfing uns Frau
Matzl zur Führung. Mit einer Tonbildschau machte sie uns mit der
Geschichte, den Aufgaben und dem Betrieb des SLF vertraut. Das SLF
gehört zum ETH-Bereich und ist dem WSL (Eidg. Forschungsanstalt
für Wald, Schnee und Landschaft) zugeordnet. Das SLF versteht sich
als Institut für die Erforschung von Schnee, Naturgefahren und des
Lebensraums Alpen. Die Kombination der drei Elemente führte zur
Entwicklung von Schutzmassnahmen, integralem Risikomanagement und
Krisenmanagement. Neben den Forschungsarbeiten gibt das SLF auch
Publikationen heraus und hält Vorlesungen an Universitäten.
Erst 1996 wurde der
Hauptsitz des SLF an die Flüelastrasse verlegt. Zuvor, von 1936
bis 1996, befand er sich auf dem Weissfluhjoch. Zu den 150 Mitarbeitern
gehören fünf Lehrlinge und 30 Studenten und Doktoranden. Das
SLF bietet berufstätigen Müttern auch eine Kinderbetreuung
an. ¼ der Betriebskosten des SLF trägt die WSL. ¾
der Mittel steuern der Bund, die Kantone, die Industrie,
Versicherungen, die EU und weiter Auftraggeber bei.
An unserer Führung
interessierten wir uns vor allem für das Thema Schnee. Schnee,
dessen Grundform immer ein sechseckiger Kristall ist. Das Aussehen der
einzelnen Schneekristalle kann aber sehr verschieden sein,
abhängig von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Alter. Schnee kann
uns als Lawine gefährlich werden. Die Variabilität und
Homogenität der Schneedecke und die Granularität des Schnees
bestimmen das Auslösemoment und das Ausmass einer Lawine. Lawinen
warfen die die Frage nach der Wirksamkeit von Lawinenverbauungen auf.
Auch die Entwicklung des Permafrosts war eine eingehend diskutierte
Frage.
Wir erfuhren, dass ein
Lawinenopfer, das nicht innerhalb von 20 Minuten geborgen werden kann
schlechte Chancen hat zu überleben. Es erstickt wahrscheinlich.
Zur persönlichen Ausrüstung der Tourenfahrer gehören ein
Lawinenverschüttentensuchgerät, eine Schaufel und eine Sonde.
Weiter kann man sich mit RECO, Avalung und Ballonen schützen. RECO
ist ein passiver Reflektor, der in Schuhen oder Kleider integriert ist.
Er kann von einem Sender/Empfänger, z.B. an einem Hubschrauber
montiert, geortet werden. Das System Avalung soll es den
Verschütteten ermöglichen in der Lawine zu atmen. Weiter gibt
es Rucksäcke mit integrierten Ballonen, die beim Verschütten
gezündet werden, ähnlich einem ABS beim Auto. Solange die
Lawine in Bewegung sollen die aufgeblasenen Ballone das Opfer an der
Oberfläche halten.
Für die Erstellung
des Lawinenbulletins stützt sich das SLF auf ein Netz
automatischer Messstellen, die über den ganzen Schweizeralpenraum
verteilt sind. Die Stellen messen die Windrichtung,
Windgeschwindigkeit, Lufttemperatur, Relative Luftfeuchte,
Oberflächentemperatur des Schnees, Temperaturen in der
Schneedecke, Reflektierte Strahlung und Schneehöhe. Die Stellen
sind autonom. Ein Solarpanel versorgt sie mit Strom. Die Bulletins
werden über Radio, Fernsehen, Internet, Telephon, Zeitungen und
sogar über WAP verbreitet.
Am Mittag liess das
Schneetreiben nach. Die Sonne zeigte sich sogar. Auf dem Feld vor dem
SLF lag der Schnee mehr als 1m tief. Als Abschluss der Führung
erstellte jeder ein Schneeprofil. Das Hantieren mit dem Thermometer,
der Waage, dem Härtemesser und den Schablonen zur Zählung der
Schneekristalle und dem Bestimmen der Schneekristallart weckte
Erinnerungen an die Chemielaborversuche unserer etr-Zeit.