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Berichte und Bilder von "Zeppelin-gestern, heute, morgen" vom 8. Juni 2002

Sage und schreibe 71 Begeisterte, ETR'ler samt Angehörige, hatten sich für diesen aussergewöhnlichen Samstag angemeldet. Am späten Morgen besuchten wir die einmalige Werft des Zeppelin NT. Nach dem Mittagessen im Restaurant des Zeppelin-Museums beim Hafen kamen wir ab 15.00 Uhr auch noch im Genuss einer aufschlussreichen Führung durchs Museum. Zuletzt genossen viele die Heimreise mit der Fähre.

Hier finden Sie die entsprechende Beiträge:

Diese Mitglieder haben mit ihren Beitrag ein besonderes Ereignis in den Annalen des ETR verewigt. Ihnen gebührt Dank!

Besichtigung der Werft des Zeppelin NT am 8. Juni 2002 von 11.30 bis 12.30 in D-Friedrichshafen

Die Werfthalle des Zeppelin NT ist beeindruckend gross mit L x B x H = 100 x 70 x 30 m. Im Innern der Halle bestaunen wir das Gerippe des 3. sich im Bau befindlichen Zeppelin NT. Die 2 sich im Einsatz befindlichen Luftschiffe konnten wir vor der Besichtigung beim Starten und Landen beobachten.

Während das Gerippe des Zeppelin früher aus einem 36-Eck bestand, wird es heute aus einem Dreieck geformt und wiegt nur gerade ca. 1'000 kg. Die 3 Längsträger sind aus Aluminium und werden bei einer Firma in Grenchen hergestellt. An dieser starren Struktur sind die Passagiergondel, das Leitwerk und die Antriebe befestigt. Die Alu-Träger dienen unter anderem auch dem Blitzschutz. Die Querspanten aus Kohlefaserverbundmaterial werden in Deutschland hergestellt. Diese Carbonfaserträger sind extrem leicht, aber auch spröde und somit sehr stossempfindlich. Sie sind zerbrechlich wie Glas.

Ein Luftschiff mit einem Gerippe wird Starrluftschiff genannt und zeichnet sich durch eine wesentlich bessere Steuerbarkeit als ein Prallluftschiff wie z.B. ein Ballon aus. Der Druck im Innern der einzigen mit Helium gefüllten Zelle in der Hülle ist gerade 0.5 bar und macht 80 % des Hüllenvolumens aus. Die restlichen 20 % bildet ein Luftsack, welcher zum Druckausgleich bei Temperaturschwankungen dient. So muss bei einem Druckanstieg nicht das teure Helium abgelassen werden.

Die Aussenhülle ist praktisch dicht, trotzdem belaufen sich die Heliumverluste pro Monat auf ca. 2 %. Helium hat die Eigenschaft, sich mit Luft zu vermischen, deshalb wird der Hülleninhalt von Zeit zu Zeit in einer Spezialanlage in der Werft „gewaschen“.

Der NT ist etwas schwerer als Luft. Dadurch sind nicht mehr wie früher rund 200 Mann notwendig, um das Luftschiff beim Starten und Landen unten zu halten. Neu genügen 3 Leute und für Kurzhalte ist keine Haltemannschaft mehr notwendig. Der NT führt jeweils auch Ballastwasser mit, um beispielsweise bei einem Totalausfall der Motoren die Sinkgeschwindigkeit steuern zu können.

Die 3 Antriebsmotoren werden mit 98 Oktan Super Plus Benzin betrieben. Jeder der Motoren hat eine Leistung von 147 kW (200 PS). Pro Motor können 400 l Benzin mitgeführt werden. Die Reichweite beträgt so ca. 900 km. Die max. Flugdauer liegt bei 24 h und der NT kann eine max. Flughöhe von 2‘600 m, bei kalten Temperaturen sogar 3'000 m erreichen. Die 2 Seiten- und das Hecktriebwerk sind als Schwenkpropeller ausgebildet, sind um 120° schwenkbar und befähigen den NT wie ein Hubschrauber senkrecht zu starten und zu landen. Ein zusätzlicher Querfan am Heckmotor sorgt für höchste Manövrierfähigkeit. Der NT kann sich so um die eigene Achse drehen und sich jederzeit in den Wind drehen, um eine möglichst keine Angriffsfläche zu bilden und dies verhindert, dass er weggeweht wird.

Die max. Fluggeschwindigkeit beträgt 125 km/h, für Besichtigungsflüge sind jedoch 70 km/h gerade optimal.

Die Bauzeit des 3. Zeppelin NT dauert ca. 1 Jahr und wird hauptsächlich durch die lange Zulieferzeit aller benötigten Spezialteile beeinflusst. Bei der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH arbeiten rund 100 Leute. Bisher wurden in den NT ca. 40 Mio. Euro investiert.

Ein NT mit seinen 12 Passagier- und 2 Pilotensitzen und einer Nutzlast von 1‘900 kg kostet ca. 7.8 Mio. Euro, während der Preis für ein Flugzeug mit 14 Plätzen ca. beim Doppelten liegt. Hier noch einige weiteren technischen Daten des NT: Die Abmessungen betragen L x B x H = 75 x 19.5 x 17.4 m und mit seinem Hüllenvolumen von 8‘225 m3 weist er ein max. Startgewicht von 8'040 kg auf. Der Erstflug des ersten Zeppelin NT erfolgte am 19.09.1997.

Die Sicherheit wird bei Zeppelin Luftschifftechnik GmbH grossgeschrieben. So wird bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 40 km/h mit Passagieren nicht gestartet, bei mehr als 60 km/h auch bei Messflügen nicht. Beträgt die Sichtweite weniger als 1.5 km oder liegt die Temperatur unter null, wird ebenfalls nicht gestartet.

Nach dieser eindrücklichen Führung durch die Zeppelinwerft verschoben wir uns zum Hafen, um dort im Restaurant des Zeppelinmuseums das Mittagessen einzunehmen und anschliessend das Museum zu besichtigen.

Eines war zu diesem Zeitpunkt schon sicher, die Organisatoren dieser Besichtigung haben wieder einmal eine gute Nase gehabt, was die ETR-Mitglieder interessiert, haben sich doch diesmal 71 Personen angemeldet. Ein spezieller Dank gilt auch den kompetenten Führern der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH, welche uns für die Luftschifftechnik zu begeistern wussten.

Jürg Bommeli, E77

Fliegt ein Luftschiff, oder fährt es?

Nach dem Mittagessen im 1. Obergeschoß des Museumsrestaurantes mit schönem Ausblick auf den See und das Bergpanorama fanden sich die interessierten ETR-Mitglieder mit ihren Partnern und Kindern in der Eingangshalle des Zeppelin-Museums ein. Da so viele Interessierte anwesend waren, wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt und gleich darauf bewegten sich die Gruppen durch das Museum, um etwas von der Geschichte der Luftschiffe und ihrem Initianten Graf Zeppelin zu erfahren. Das Zeppelin-Museum zeigt in sechs Hauptabteilungen Geschichte und Technik der Luftschifffahrt.

Der Graf Zeppelin wurde 1838 in Konstanz geboren, jedoch erst nach einer Militärkarriere, sozusagen im Pensionsalter im Jahre 1892 beschäftigte er sich mit Luftschiffen. Drei Jahre später meldete er ein erstes Patent über ein „lenkbares Luftfahrzeug“ an.

Um die Jahrhundertwende war dann Baubeginn des ersten Zeppelin-Luftschiffes LZ 1 in einer schwimmenden Montagehalle auf dem Bodensee von wo er seinen ersten Aufstieg machte.

Bei einem Aufstieg oder einer Landung musste der Zeppelin in den Wind gedreht werden und 200-300 Menschen mussten das Luftschiff an Seilen in den Himmel aufsteigen lassen, resp. bei entsprechendem Befehl vom Himmel herunterholen.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges engagiert sich Graf Zeppelin für Entwicklung und Bau von Riesenflugzeugen und befürwortet den Einsatz seiner Luftschiffe im Krieg gegen England.

Die riesigen Luftschiffe, die wegen ihrer Grösse am Himmel leicht erkannt werden konnten, fuhren zu ihrer Sicherheit über den Wolken. Ein Mann wurde an einem Seil durch die Wolken so weit hinuntergelassen, dass er unter den Wolken das Geschehen auf der Erde beobachten konnte. Diese abenteuerlich anmutende Aufklärungstätigkeit unterhalb der Wolken wurde gerne gemacht, da man da unten rauchen durfte, ohne dass das hochexplosive Gas Wasserstoff mit dem Feuer in Berührung kommen konnte. Für kriegerische Zwecke, respektive für „ewigen Frieden“ wurden 101 von den insgesamt 130 Luftschiffen gebaut. (Ewigen Frieden erhofften sich die Erbauer von den Luftschiffen weil sie glaubten, dass sich niemand diesen Luftschiffen widersetzen würde.)

Im Museum können Dimensionen und Flair der "Giganten der Lüfte" erlebt werden. Die Hauptattraktion ist die begehbare Rekonstruktion eines 33 Meter langen Teils der legendären LZ 129 Hindenburg.

Die Dimensionen dieses Zeppelin-Luftschiffes werden deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass einer Länge des Nachbaus von 33 Metern die Gesamtlänge der Hindenburg von 245 m gegenübersteht. Die originalgetreue Form der Rekonstruktion war nur dank der Verwendung des originalen Plansatzes möglich, der glücklicherweise über all die Jahre erhalten geblieben ist.

Wohl in keinem Museum hätte die ganze Hindenburg Platz gehabt und deshalb wurde auch hier in Friedrichshafen nur gerade das wichtigste, die Passagierkanzel nachgebaut. Ganz eindrücklich war die „Originalbestuhlung“ welche in ihrer noblen Eleganz auch heute noch in einen Salon passen würde.

Im 50 Tonnen schweren Luftschiff LZ127 wurden in den 30-er Jahren während ca10 Jahren die Post und Reisende von Europa über den Atlantik nach USA transportiert. Für diese Strecke wurden 3 Tage gebraucht. Die Kosten betrugen damals für eine Fahrt ca. ganze 3 Monatslöhne und so ist es nicht verwunderlich, dass sogenannt „Normalsterbliche“ kaum die Gelegenheit hatten, eine solche Reise zu finanzieren.

Das Traggerippe der Luftschiffe wurde aus gewichtsoptimierten (gelochten) Aluminiumprofilen hergestellt, welche mittels mehrer tausend Nieten miteinander verbunden wurden.

Im öffentlich zugänglichen Zeppelin-Museum sind nicht nur Zeppeline zu bestaunen, sondern es sind auch kunstvolle Gemälde und Figuren ausgestellt. Wie gut sich Kunst und Technik vertragen zeigt sich an den kunstvoll geformten Zeppelin-Tragkonstruktionen und den modernen Bildern, welche im selben Raum stehen und einander in irgend einer Weise ergänzen. Es sind natürlich auch alte Kunstgegenstände und Bilder zu betrachten wie zum Beispie der Vorentwurf „Konzil in Konstantinopel“, (1760 in Öl) welches heute die Decken der Stiftsbibliothek in St. Gallen ziert.

Ein letzter Höhepunkt für manche Teilnehmer war dann die Rückreise mit einer Überfahrt auf einer Bodenseefähre.

Für all jene die nicht dabei sein konnten und trotzdem noch mehr über diese interessanten Luftschiffe wissen möchten, kann ich das Museum in Friedrichshafen nur empfehlen. Ein Klick ins Internet gibt einen Vorgeschmack über die Luftschiffe und für alle die an dieser interessanten Exkursion dabei waren ist es ein abrundender Überblick von dem bereits gesehenen und gehörten.

Und nun zu guter letzt: Luftschiffe welche leichter als Luft sind (wie Luftballons) fahren. Die heute konstruierten und fliegenden Zeppeline müssen mit Motoren vom Boden angehoben werden und somit sagt der versierte Zeppelinsachverständige dass dieses Luftschiff fliegt.

Einen herzlichen Dank an die Organisatoren, sie haben sicherlich auch eine Flasche ETR-Wein verdient.

Zwischen Himmel und Hölle - Luftschiffer im Krieg

http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/MMAG_Zeppelin/index.htm

Der Graf online

http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Zeppelin/index.htm

Internetprojekt für Schülerinnen und Schüler

http://www.zeppelin-museum.de/firstpage.htm

Felix Inauen, M80