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Zwingli, das Geburtshaus und der Pass


Exkursion des ETR im Obertoggenburg vom 11. / 12. Juni 2005

Drei Ingenieure technischer Fachrichtung verbringen zusammen mit Partnerinnen ein Wochenende draussen in der Natur und erfahren aus bester Quelle etwas über die Flora und Fauna im Obertoggenburg. Zuvor besuchen sie auch das Geburtshaus des bekannten Reformators in Zürich, Huldrych Zwingli. Ein gemütlicher Hüttenabend auf 2000 m.ü.M. rundet den Anlass ab.

Bilder

Text: Bernhard Weber
Fotos: Philipp Friberg, Bernardo Valsangiacomo, Bernhard Weber


Churfirsten (Chäserugg, Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll,
Brisi, Frümsel, Selun)

Am Morgen dieses wunderschönen Samstags trafen sich 5 Personen, 3 ETR-Mitglieder und 2 Partnerinnen in Lisighaus, einem Dorfteil von Wildhaus. Auf dem Parkplatz wurde schon der erste Blick zu den Churfirsten genossen, welche sich bei einigen kleinen Wölkchen vor dem blauen Himmel abhoben.

Besuch des Zwingli Geburtshauses


Geburtshaus Huldrych Zwinglis

Um 9:00 Uhr wurden wir von Frau Forrer im Geburtshaus Huldrich Zwinglis begrüsst. In der gemütlichen Stube des altehrwürdigen Holzhauses gab sie uns als erstes einen Überblick des Lebens und Schaffens des am 1. Januar 1484 geborenen Reformators Huldrych Zwingli.

Der Sohn eines wohlhabenden Bauers und Wildhauser Gemeindeammans lebte nur gerade die ersten sechs Lebensjahre bei seiner Familie mit 10 Geschwistern in Wildhaus. Nach weiteren Lehrjahren in Weesen, Basel und Bern begann er ein Studium zum Magister artium in Wien und schloss dieses dann in Basel ab.

Bevor er Leutpriester am Grossmünster in Zürich wurde war er Pfarrer in Glarus und während zwei Feldzügen begleitete er Glarner Söldner nach Italien in den Krieg, u.a. auch nach Marignano (1515).

Während der Zeit am Grossmünster trieb er die Reformation der Kirche voran, was nicht in der Bibel stand wurde kurzerhand aus der Kirche verbannt (Zölibat, Heiligenbilder, Orgel, …). Während dieser Zeit entstanden denn im Toggenburg auch viele der schönen Hausorgeln, welche noch heute an verschiedenen Orten besichtigt werden können.

Die kirchlichen Spannungen zwischen den katholischen und den reformierten Ständen nahmen zu. Die Folge waren u.a. die beiden Kappeler Kriege, wobei der erste (1529) noch relativ friedlich zu Ende ging, der zweite, aufgrund der sturen Berner Haltung, die innerschweizer Kantone doch auch endlich zu reformieren, um so heftiger ausfiel. Während des zweiten Kappeler Krieges (1531) starb dann Huldrych Zwingli nur gerade 47-jährig auf dem Schlachtfeld.

    
Kommode mit Bibeln und Lehmofen (rechts) in der Stube

Das wunderschöne alte Geburtshaus in Wildhaus hat mehrer Generationen überlebt. Es diente zwischendurch auch als Schulhaus. Es erlebte auch einige Umbauten und wurde so auch um einen Keller erweitert.

In der Küche steht noch der ursprüngliche, und immer wieder ausgebesserte Reisigkamin. Reisig, pyramidenförmig auf vier Holzbalken gestellt, wurde mit Lehm überzogen. In der Stube steht auch noch der Lehmofen. Im Obergeschoss befinden sich noch einige Betten aus jener Zeit, aber, so wurde uns berichtet, keine Möbel mehr, die die Familie Zwingli besessen hatte.

Mit einem kleinen Mittagessen auf der Terrasse des Hotel Restaurant Sonne auf der „Passhöhe“ in Wildhaus schlossen wir den kulturellen Teil ab.

Flora-Fauna-Wanderung mit Hanspeter Steidle


Fachkundige Führung durch Feld und Wald

Der sehr rüstige Pensionär und DER Pflanzenkenner im Toggenburg überhaupt, Hanspeter Steidle, holte uns direkt im Restaurant ab. Um unseren Aufstieg etwas zu erleichtern überreichte Bernhard dem Führer für einmal schon vor der Führung einige gute Tropfen aus unserem Weinkeller.

Schon der Strasse zum eigentlichen Ausgangspunkt unserer Wanderung entlang konnte er uns interessantes aus der Pflanzenwelt erklären, z.B. dass auch hier ein grosser Kampf um „Sein oder Nichtsein“ herrscht.

Der erste Teil des Aufstiegs und zugleich der steilste Teil führte uns durch eine in einem Wald versteckte Schlucht. Der Frühling ist, trotz ca. dreiwöchiger Verspätung gegenüber den Vorjahren, schon weit fortgeschritten, einige Blumen sind hier schon verblüht. Auf einer Lichtung erkennen wir den Spitzwegerich und Breitwegerich, ersteren weit ab vom Weg, den zweiten mitten auf dem Weg, er liebe es getreten zu werden. Der „schöne blaue Strubbli“ heisst mit Fachbegriff Berg-Flockenblume. Auf dem ganzen Weg bis zur Alp begleitet uns die kleine Gewöhnliche Nachtviole, welche beidseits des Weges in grossen Gruppen wächst.

Kaum treten wir aus dem Wald heraus kommen wir auf eine grössere Hochebene. Der Unterschied zwischen bewirtschaftetem Boden und Magerwiese ist hier sehr gut sichtbar. Die Pflanzenvielfalt auf bewirtschaftetem Boden ist sehr gering. Würden die Bauern den Schaufelstiel nicht all zu stark fürchten, so könnten sie die um sich greifenden Blacken auf feuchten Bergwiesen vermindern und so die Fläche für die Rinder etwas vergrössern. Gelbe Hahnenfüsse zeigen auf der Alp Tesel, wo es eher trocken ist während weisse Hahnenfüsse feuchte Partien zeigen; die Grenzen sind sehr scharf. Der vom Vieh gemiedene Hahnenfuss hat hier schon sehr überhand genommen und angestammte Bergblumen verdrängt.


Gewöhnliche Nachtviole (Hesperis matronalis)

Frühlingsenzian (Gentiána vérna)
Rötliches Fingerkraut (Potentilla heptaphylla)

Beim letzten Aufstieg zur Zwinglipasshütte kamen wir an den letzten Bäumen vorbei, so auch bei der Felsenbirne. Die Feuerlilien blühten wegen des späten Frühlings leider noch nicht. Auf den höheren Alpweiden konnten schöne Flecken mit dem kräftig blauen Frühlingsenzian ausgemacht werden. Dazwischen standen die grossen Kelche des Stängellosen Enzian und auch viele Schlüsselblumen.

Nach gut vier Stunden erreichten wir die auf 2000 m.ü.M. gelegenen Zwinglipasshütte der SAC-Sektion Toggenburg am Fusse des Altmann. Nach einem ersten Umtrunk verabschiedeten wir uns dann wieder von Hanspeter Steidle, welcher wieder zurück ins Tal musste.

Hüttenleben

Nach der Zuteilung der Betten führte uns Bernhard noch durch die Hütte. Im Keller stehen drei 2000-Liter Wasserbehälter, die durch ein ausgeklügeltes Filtersystem mit Wasser vom Dach befüllt werden und so genügend Wasser auch für längere Trockenperioden aufnehmen können.

Die Hütte der SAC-Sektion Toggenburg bietet 42 Liegestellen, 14 davon in einem immer offen stehenden Notraum, der Rest im Sektionsteil, welcher nur zur Verfügung steht, wenn die Hütte bewartet ist.

Solarzellen erzeugen etwas Strom für die Beleuchtung in Küche, Keller und Waschraum. Mit einem Nottelefon, es kann von der Hütte aus nur die Nr. 111 gewählt werden, ist die Hütte über eine Richtstrahlantenne an das Festnetz angeschlossen.

Eine Besonderheit sind die Toiletten welche zur Hütte gehören. Diese stehen frei hinter der Hütte. Die Türen sind gestaltet wie Stalltüren, deren obere Hälfte beim Erledigen des Geschäftes für einen tollen Ausblick auf Moor und Nädliger offen gelassen werden können.


Blick aus der Toillette zum Nädliger

Bernhard und Andrea bereiteten uns und dem Hüttenwart mit seiner Frau ein feines Nachtessen. Die Teigwaren, Kartoffeln, Zwiebeln und anderen Zutaten für die Älplermakronen hatte er selber hinaufgetragen. Auch ein Dessert durfte nicht fehlen. Andrea hatte noch zu Hause einen feinen Kuchen gebacken.

Nach einem gemütlichen Höck in der warmen Stube, draussen wurde es allmählich dunkel und kalt, verkrochen sich alle dann zur „Polizeistunde“, üblicherweise schon um 22.00 Uhr, unter die Decken.

Abstieg und Ausklang

So nach und nach stiegen die Gäste die Treppe vom Schlafraum herunter, zum teil noch mit müden Augen. Doch das änderte sich bald im Waschraum bei fliessend kalt Wasser.

Leider spielte das Wetter nicht ganz mit, es war ziemlich wechselhaft, stark bewölkt, immer wieder einmal etwas Regen. Deshalb warteten wir mit dem Aufbruch so lange wie möglich, vielleicht würde das Wetter ja noch ein wenig bessern.

Um elf Uhr, es hatte wieder begonnen sehr stark zu regnen, begannen wir unseren Abstieg nach Wildhaus auf der direkten Route. Geplant war eigentlich, über den Grat zum Mutschen zu wandern und noch die Pelzanemone zu sehen, und vom Mutschen auch einen Blick ins Rheintal zu werfen.

Ganz den gleichen Weg wählten wir denn doch auch nicht. Imx oberen Teil zogen wir den direkten Weg über die Alpwiesen vor, welche uns bei Regen besseren Halt gaben als Steine oder lehmige Wegstellen. Im untersten Teil entschieden wir uns dann für den Weg der Alpstrasse entlang direkt zu unseren Fahrzeugen.

Diesen zweitägigen Anlass beschlossen wir dann mit einem Mittagessen im Restaurant Alpstein. Danach trennten sich unsere Wege, und alle fuhren zufrieden und mit guten Erinnerungen an einen abwechslungsreichen Anlass nach Hause.


Die kleine Gruppe